back for good

Mittwoch, 8. Oktober 2008, 17.49 Uhr


war ein bisschen unterwegs, wurde von allen vermisst (zumindest von allen, die ich gezwungen habe, mir das vorzuheucheln. zum beispiel von hildegards freund, der schon nach einer woche depressiv wurde und weinte, weil er mich nicht anrufen konnte, denn ich war ja weg. eigentlich aber hätte er gar keine hemmungen haben müssen, der junge mit dem eigenen buchstaben hat ja auch angerufen. mehrmals. weil er gerade einen text über adorno schreibt und den mit mir besprechen muss. zwingend.) und bin jetzt aber wieder zurück. zurück in meiner wohnung mit dem kleinsten bad der welt, welches neuerdings vom schönsten durchlauferhitzer der welt verziert wird. er ist elektronisch, was bedeutet, dass ich meine bevorzugte duschtemperatur gradgenau einstellen kann. heute habe ich mal 39 grad ausprobiert, das war sehr schön. ebenfalls schön, und das ist echt eine tolle überleitung zum nächsten foto, die ich auch an einen seriösen autoren verkaufen könnte, war die aufschrift an einer hauswand, die ich in bozen entdeckt habe.

und auch sonst hat südtirol viel zu bieten. hier sieht man etwa das berühmte reform-muli.
maultier der nächsten generation

lohengrin

Samstag, 20. September 2008, 3.24 Uhr

ehe er noch länger hier rumgammelt, fülle ich ihn mal aus.

1. The phone rings. Who do you want it to be?
um diese zeit rufen meine freunde nur noch an, wenn sie kurz vorm selbstmord stehen. falsch verbunden wäre wohl das beste.
2. When shopping at the grocery store, do you return your cart?
nein, ich nehme keinen.
3. In a social setting, are you more of a talker or a listener?
der trick an angenehmen gesprächen ist, dass sich beides ungefähr die waage hält.
4. Do you take compliments well?
nein, meistens finde ich sie scheiße.
5. Do you play Sudoku?
hab es ein paarmal gespielt, fand es nicht weiter interessant.
6. If abandoned alone in the wilderness, would you survive?
ne zeitlang wahrscheinlich schon. hängt aber von der ausrüstung ab.ein taschenmesser wäre praktisch, fließendes genießbares wasser in der nähe ein muss.
7. Do you like horse-riding?
nein, pferde sind mir ein bisschen unheimlich. nur in meinen cowboy-phantasien macht es mir großen spaß.
8. Did you ever go camping as a kid?
nein, das war nicht nötig. wir befanden uns in der glücklichen lage, ein ferienapartement bewohnen zu können.
9. What was your favorite game as a kid?
mein name ist häuptling schnell-wie-ein-tiger. frage beantwortet, bleichgesicht?
10. If a good looking person was courting you, but you knew that he/she was married – would you play along?
würde ich nichtmal, wenn die person ledig wäre.
11. Could you date someone with different religious beliefs than you?
es gibt überzeugungen, die für mich ein ausschlusskriterium bilden. einige religiöse gehören dazu.
12. Do any songs make you cry?
mir fallen drei lieder ein, bei denen ich sentimental werde (david bowie: the man who sold the world; the cure: 10:15 saturday night; david sylvian: wanderlust). und bei einigem von ernst busch.
13. Are you continuing your education?
man ist nie gebildet genug.
14. Do you know how to shoot a gun?
sowohl theoretisch als auch praktisch.
15. If your house was on fire, what would be the first thing you‹d grab?
naja, das haus ist ziemlich groß, daher wohl das telefon.
16. How often do you read books?
täglich.
17. Do you think more about the past, present or future?
ich denke über alles nach.
18. What is your favorite children’s book?
kater mikesch und so turkmenische märchen.
19. What color are your eyes?
dunkelbraun. es war anstrengend beim einwohnermeldeamt (in nürnberg existiert offiziell nur braun), aber inzwischen ist es offiziell.
20. How tall are you?
einssechzig.
21. Where is your dream house located?
weiß nicht. in einer stadt vermutlich.
22. Do you have a secret fetish?
würde ich das beantworten, hätte ich ihn nicht mehr.
23. Have you ever tried sushi?
ja, und ich fand es scheiße.
24. Have you ever taken pictures in a photo booth?
na klar. aber nur alleine.
25. When was the last time you were in an olive grove?
noch nie. aber ich weiß, wo hier in der stadt die zitronen blühen.
26. When was the last time you were at church?
vor ein paar wochen beim priesterjubiläum eines bekannten.
27. Where was the furthest place you traveled today?
die drogerie an der ecke.
28. What was the job you loved most?
ich hatte mehrere, die okay waren, aber am liebsten mag ich meinen aktuellen. kinokunden können einen in den wahnsinn treiben, aber tief in mir liebe ich sie doch. und die kollegen sind super.
29. Do you like mustard?
ich esse ihn, aber es muss nicht unbedingt sein.
30. Do you prefer to sleep or eat?
schlafen erscheint mir ein bisschen verlockender. außer, ich bin gerade wach und hungrig.
31. Do you look like your mom or dad?
eher wie mein vater.
32. How long do you take to shower?
ich bräuchte nicht halb so lange, wie ich dann wirklich unter der dusche stehe. jetzt, wo ich einen elektronisch geregelten durchlauferhitzer habe (da kann man die temperatur aufs grad genau einstellen. ich halte das für die größte technische errungenschaft der neuzeit), wird das sicher noch schlimmer.
33. Can you do the splits?
ja. sowohl längs- als auch herrenspagat.
34. What movie do you want to see right now?
so dringend keinen, sonst würde ich ja fernsehen. aber prinzessin fantaghiro geht immer.
35. Would you fast-forward your life if you could?
ginge auch zurückspulen? nein? schade. vorspulen scheint mir nicht so reizvoll, ich könnte ja eine tolle situation verpassen. zugegeben, während unerträglich langer busfahrten wäre es ganz praktisch.
36. What did you do for New Year’s?
da treffe ich mich seit zwei jahren mit adrian. und wenns nach mir geht, wird das auch noch ne weile so bleiben.
37. Do you think The Grudge was scary?
nein. tobias hat mich gezwungen, den anzuschauen, und ich fand ihn grauenhaft.
38. Can you identify with one of the characters from “Mean Girls”?
nein. soweit ich weiß, spielt oscar wilde dort keine rolle.
39. Do you own a camera phone?
drei in einer reihe! nein.
40. Do you have an “ex box” with pictures or letters of your former partners?
es gibt eine schachtel, in der ich aus nostalgischen gründen ein paar dinge aufbewahre. von demolierten füllern über zwanzigseitige würfel bis zu briefen ist da alles mögliche drin. aber eine ex box ist das nicht.
41. Was your mom a cheerleader?
nein, war sie nicht. aber sie hat mir mal erzählt, wie sie in den 80ern an der uni rumgelaufen ist.
42. What’s the last letter of your middle name?
a
43. Do you like your middle name?
zusammen mit meinem vornamen ist das eine sehr klassische kombination, aber ich schätze, er ist okay.
44. How many hours of sleep do you get at night?
von zwei bis zehn ist alles dabei.
45. Do you like care bears?
ja. und ehe hier einer auf blöde gedanken kommt: die care bears heißen auf deutsch glücksbärchis.
46. What do you buy at the movies?
getränke zum mitarbeiterpreis. in fremden kinos vielleicht mal nachos.
47. Do you know how to play poker?
ja. ich beherrsche five card draw, texas holdem, seven card stud und seven card stud hi lo.
48. Do you wear your seatbelt?
in deutschland immer.
49. What do you wear to sleep?
ich schlafe unglaublich bekleidet. jogginghosen und tshirt. und socken.
50. Anything big ever happen in your hometown?
in der nähe des stadtteils, in dem ich aufgewachsen bin, sind mal 350 millionen liter wasser aus dem main-donau-kanal ausgelaufen. so insgesamt gab es reichstage, reichsparteitage und nürnberger prozesse.
51. How many meals do you eat a day?
zwei bis fünf. meistens läuft es auf drei raus.
52. Do you have a tongue piercing?
himmel, nein.
53. Do you like funny or serious people better?
eher ernsthafte.
54. Ever been to L.A.?
nein, habe ich auch nicht geplant.
55. Did you eat a cookie today?
ja, zwei lebkuchen. norma hat vor zwei wochen endlich die weihnachtssaison eröffnet.
56. Do you steal or pay for your music downloads?
natürlich lade ich nie was runter.
57. Do you hate chocolate?
unser verhältnis ist recht harmonisch.
58. What do you and your parents fight about the most?
so kleinigkeiten eben.
59. Are you a gullible person?
weiß nicht. hoffentlich habe ich leichtgläubige leser, die mir ein nein abkaufen.
60. When was the last time you cried?
sehr intensiv am montag, ein bisschen gestern.
61. If you could have any job you like, what would it be?
ich hätte gerne den job von habermas. allerdings befürchte ich, man kann mit 25 nicht emeritierter professor sein. und ich will nicht diese frisur.
62. Are you easy to get along with?
vielleicht, wenn man mich nicht so gut kennt.
63. What is your favorite time of day?
da habe ich keine präferenz. mein leben kann zu jeder tageszeit unerträglich sein.

zahl3n und figur3n

Freitag, 19. September 2008, 17.06 Uhr

vor einem knappen jahr erwähnte ich ja mal, dass ein bekannter meines besten freundes (der es übrigens geschafft hat, 120 seiten text über eu-gesetze, brd-gesetze, netzwerkanalyse, gleichstellungspolitik und gedöns¹ zu schreiben) eine »christliche erweckung erlebt hat, die ihn dazu bringt, in dem ein oder anderen supermarkt den ein oder anderen strichcode des ein oder anderen artikels nach der zahl des tiers zu durchforsten.« jetzt aber wurde der bekannte von prinz umwerfend (attraktiv, gebildet, spannender beruf) in versuchung geführt. leider hat prinz umwerfend, wie das eben so ist, wenn ein christenmensch in versuchung geführt wird, einen hässlichen pferdefuß. er äußerte sich in gestalt eines eherings. ich rate dazu, diese affäre zu beenden.
zur besinnung lesen wir jetzt mk 4,1-13 und lernen, dass wir manchmal sehr stark sein müssen. und wo ich gerade so schön am moralisieren bin (wobei ich hier nicht sagen will, dass es sinnvoll ist, einer religiösen moralvorstellung zu folgen. gott ist eine ziemlich lahme begründung für das moralisch gebotene. meine interpretation abstrahiert ein wenig und lautet ungefähr so: manchmal kommt man in situationen, in denen einem etwas nahezu unwiderstehliches angeboten wird, das sich aber mit den persönlichen werten nicht verträgt. meistens ist es ratsam, da NEIN zu sagen. sonst ist man irgendwann tief in den institutionen angekommen. crazy, ich betreibe exegese), kann ich gleich mal berichten, dass meine präsentation über ethisches argumentieren fast fertig ist.
und gerade habe ich mit hildegards freund telefoniert, der mir von seiner neuesten arbeit über moralphilosophie (aristoteles und kant) erzählt hat, deretwegen er in der letzen woche das haus nur zum erwerb von zigaretten verlassen hat. vielleicht hätten wir schon früher darüber sprechen sollen und nicht erst jetzt, wo wir beide so gut wie fertig sind. aber wir sind einander in der letzten zeit ziemlich auf die nerven gegangen (ich finde, er führt sich manchmal auf, wie der kaiser von österreich. er findet, ich kenne ihn kein stückchen und hätte ihm eine gemeine szene gemacht) und hatten deswegen so eine art kreative pause eingelegt. sogar die fiese redewendung »dir deine sachen zurückbringen« ist dabei gefallen, aber jetzt ist es wieder gut. zum glück. wir kennen uns erst seit ungefähr fünf monaten, aber mein leben wäre wertlos ohne hildegards freund, der sowohl auf altgriechisch als auch auf französisch sowohl über anzüge von brioni als auch über merleau-pontys auge sprechen kann, ohne dabei die gesetze der formalen logik zu missachten. oder vielleicht nicht wertlos, aber eine qualitätseinbuße gäbe es schon (gilt auch für meine anderen phänomenalen freunde, denen ich natürlich weitaus öfter auf die nerven gehen würde, wenn es eine person weniger gäbe, die ich verrückt machen könnte).
zur zeit aber mache ich hauptsächlich mich selbst verrückt, aber das liegt an der luft. zu dieser jahreszeit riecht sie anders als sonst. ähnlich ist es so um ende februar herum, da geht man ja auch permanent draußen umher und atmet, wobei man sich vorstellt, man wäre jemand anderes, egal wer, hauptsache phantastischer. ich bin da in gedanken gerne mal ein fiktiver alchimist und denke über meine fiktiven probleme nach. pflanzen, mineralien und überhaupt alle stoffe bestehen aus einzelnen teilchen. diese teilchen bauen die dinge, die wir mit unseren augen wahrnehmen, auf wie kristalle, die dinge haben ergo unterschiedliche formen. dies ist durch demokrit bekannt. es gibt günstige und ungünstige kristallformen, deren seitenverhältnisse usw. sich unterscheiden. ungünstige formen weisen bestimmte geometrische figuren auf, deren zahlenverhältnisse dazu führen, dass gewisse andockstellen der teilchen unteinander nicht besetzt werden können. so werden die dinge porös und zerbrechlich. doch sind die teilchen dicht verbunden, so werden die dinge hart. könnten die winzigen teilchen nun gezwungen werden, sich in anderen formen zu ordnen, wäre es möglich, die dinge zu verwandeln. dies kann, wie wir wissen, durch feuer geschehen, so wird ein stück holz zu asche. folglich haben auch die sternenkräfte macht, die dinge zu verändern, den sterne sind wie ferne feuer. doch um sie zu nutzen, müssen ihre positionen bestimmt werden, muss berechnet werden, wie ihre kräfte untereinander sich beeinflussen. mit dem uns bekannten kalender scheint dies nicht möglich. welches also ist der wahre beginn der zeit?

¹ exkanzler-zitat

napoleonische apokalypse

Mittwoch, 3. September 2008, 14.25 Uhr

heute nacht wurde im ganzen haus die schließanlage ausgewechselt und neue, kleinere schlüssel für die hausbewohner in einem weidenkörbchen in den hausflur gestellt. eigentlich, wenn ich einen seriösen samstagmorgen habe, liegt in diesem weidenkörbchen meine frühstückssemmel, doch jetzt lagen darin eben die schlüssel. aber ich wusste nichts vom schlössertausch, und so kam es, dass ich mit einigen anderen uninformierten hausbewohnern vor verschlossener haustür stand, so lange, bis uns dann der alte russe aus dem ersten aufsperrte. das weidenkörbchen war leider inzwischen leer, weil einige leute einen hohen bedarf an zweitschlüsseln geltend machten und daher zwei oder drei schlüssel entnommen hatten. darum ließ ich mir auch die wohnungstür öffnen, und plötzlich konnte ich durch einen bretterverschlag sehen, wie ich selbst mit zwei freunden, deren namen ich nennen könnte, wenn ich wollte, einer zu meiner linken, der andere zu meiner rechten seite, durch eine östliche steppenlandschaft ritt. wir saßen äußerst elegant auf dunklen pferden, die sich aufs haar glichen, und trugen rotgoldene korsarenuniformen, deren schulterteile kubistisch hochgezogen waren, dazu lächerliche dreispitzhüte, und auch all dieses glich sich genau. die szene sah nach einem großartigen abenteuer aus, und ich wollte länger zusehen, aber der alte russe blickte mir über die schulter und wisperte mit einem warnenden unterton: das ist die zukunft, sieh nicht hin. das ist noch nicht geschehen.

was ich mir so über wahrnehmung gedacht habe

Freitag, 1. August 2008, 4.39 Uhr

essay (letzter abgabetermin: heute) ist fertig. musste leider feststellen, unter zeitdruck zu konservativen positionen zu neigen. dass ich immer seltsamer werde, merkt man nicht nur am unten stehenden absatz (es geht um die entstehung der sprache und ihren einfluss auf das denken) und an den bronski-beat-geräuschen, die hier aus den lautsprechern dringen, sondern auch daran, dass ich gerade minutenlang im bad ein haargummi gesucht habe, welches sich an meinem linken handgelenk befindet, also irgendwie auch leiblich zentriert ist.
»Eine weitere Möglichkeit ist die direkte Auseinandersetzung mit dinglichen Objekten, also eine zunächst außersprachliche Form der Wahrnehmung, welche leiblich zentriert ist. Die Beschaffenheit eines konkreten Dinges, wie etwa eines Messers, kann ohne sprachliche Kommunikation zu seiner Verwendung hinleiten, der in ihm angelegte Sinn teilt sich objektiv fassbar mit. Erfahrung wird dementsprechend geprägt durch ein präreflektives Erleben, durch die vorsprachliche Offenheit für die faktische Präsenz der Welt, welche erst nach diesem pragmatischen Akt in einem weiteren Schritt verbalisiert wird.« (ich, 2008)

goodbye cruel world, it’s over

Donnerstag, 31. Juli 2008, 0.27 Uhr

habe nun schon länger nichts von mir hören lassen, da ich über den zustand der welt sehr besorgt bin. in kurzer zeit aber schon wird sich das ändern, denn dann wird die welt nicht mehr sein, weil sie, wenn ich das richtig verstanden habe, in die schweiz gesaugt wird, wenn dort der urknall geschaltet wird.
eigentlich sollte man annehmen, damit hätten sich alle probleme (essays, vorträge, bewerbungsschreiben und hausarbeiten, deren anfertigung ich geschickt und variationsreich vor mir herschiebe; z.b. habe ich mich vom fertigstellen des essays dadurch abgehalten, galileo galileis pendelexperimente zu recherchieren; das schreiben einer arbeit über achim von arnim vermeide ich dadurch, dass ich mehrmals täglich mit dem hildegardfreund telefoniere und ihm dabei vorwerfe, er könne sich nicht in die probleme der arbeitenden bevölkerung einfühlen. blöderweise ist er heute für ein paar tage zu einer konferenz geflogen, deren thema er mir verheimlicht, um mich zu ärgern, so dass ich mir schleunigst ein neues hobby für die nächsten tage suchen muss) erledigt.
wäre schön, ist aber nicht so.
aus diversen kulturellen irrungen und wirrungen kennen wir verschiedene arten zu sterben. wir wissen, wie wir uns im falle eines großen showdowns um zwölf uhr mittags verhalten sollten, und auch als superfieser endgegner werden wir dank unserer popkulturellen prägung eine gute figur machen. und wir sind nun mal darauf konditioniert, unseren lieben unsere gefühle detailliert zu erläutern, wenn wir wissen, dass wir nur noch begrenzte zeit zu leben haben. das bedeutet: wenn die welt in einigen tagen in die schweiz gesaugt wird, sollte ich jetzt schon anfangen, die liste mit meinen lieben abzuarbeiten und diese menschen mit meinem komplexen gefühlsleben zu traktieren. denn bekanntlich sind meine emotionen äußerst diffizil, so dass es stunden dauern wird, sie genau und verständlich darzulegen. und die liste meiner lieben umfasst viele personen.
und soll ich jetzt schon damit beginnen oder sollte ich erst für mich selbst die wirklich wichtigen fragen klären? ist es eine relevante information für bert, dass ich mir in der dritten klasse eine woche lang überlegt habe, ob ich für ihn schwärme? und ist es ein problem, dass ich mich an das ergebnis meiner überlegungen nicht mehr so genau erinnern kann? woher kriege ich die telefonnummer des jugoslawischen kriegsflüchtlings, dessen spott für meinen vegetarismus mir in der siebten klasse fast das herz gebrochen hat? ich weiß ja nichtmal mehr seinen nachnamen. soll ich einem mädchen, das ich aus der schule kannte, gestehen, dass ich erotische träume sowohl von ihr als auch von ihrem bruder hatte? und falls ich vor dem weltuntergang mit ihr darüber rede, müsste ich dann auch an miss rumänien 2005 schreiben, für die, abzüglich des bruders, ähnliches gilt?
man sieht, mit dem ende der welt beginnen die probleme. und eigentlich müsste ich gerade dringend ein essay schreiben.

prekariat und pfoten

Donnerstag, 3. Juli 2008, 22.26 Uhr

die analyse der länge meiner finger hat gerade ergeben, dass ich ein mädchen mit östrogenspiegel bin und nicht so gut kochen kann. letzteres liegt an der gestaltung meiner daumen, ersteres ist dadurch begründet, dass mein zeigefinger ein bis zwei milimeter länger ist als mein ringfinger. aufgrund dieser schicksalhaften fügung war ich heute in der straßenbahn sogar fähig, die tätowierung eines mitreisenden zu entziffern. »i love jakkline« stand auf seinem oberarm, und dass jacqueline die ganze fahrt über an seinem oberarm dranhing wie eine mistel, scheint mir ein ausdruck von inniger liebe zu sein, die sogar sprachgrenzen zu überwinden weiß. oder von masochismus, so sicher bin ich mir da noch nicht. ebenfalls unsicher bin ich darüber, wie ich eine aussage bewerten möchte, die gerade während der volksbildungssendung auf ihr könnt euch denken welchem sender getätigt wurde. »das ist jetzt mein letztes wort! mir stehts im moment alles nach oben!«, sagte da ein mann. vielleicht wollte er uns damit auch etwas über seinen hormonspiegel mitteilen?

kleine demütigungen zwischendurch

Montag, 30. Juni 2008, 2.46 Uhr

nein, es geht nicht um fußball. stattdessen geht es um meine gefühle; und weil meine freunde am telefon immer so schnarchgeräusche machen, wenn ich die diskutieren will, müssen es die lieben leser ausbaden. es ist nämlich so: eine alte bekannte feiert demnächst geburtstag, und obwohl wir schon längere zeit nur sporadisch kontakt haben, bin ich eingeladen. finde das sehr nett von ihr und würde gerne hingehen, aber mein briefträger ist captain hook. soll heißen, die einladung hat einen haken. eigentlich sind es nur drei worte. und diese lauten »anhang bitte mitbringen«. vermute, dass man auch alleine erscheinen darf, vielleicht wird man dabei auch kaum mitleidige blicke ernten; vielmehr macht mir gerade zu schaffen, dass es gesellschaftliche normalität zu sein scheint, mit mitte zwanzig dann doch endlich mal jemanden gefunden zu haben, der einen längere zeit um sich herum anwesend erträgt. tja. hab ich halt nicht. bzw habe ich doch, aber teddy adorno und novalis sind nun mal tot und daher als begleitung für eine geburtstagsfeier nicht einsatzfähig, ohne dass es unangenehm auffällt. um zuspruch gebetene mildtätige seelen konnten auch nur bedingt weiterhelfen (»das wird für uns die nächsten jahre noch viel schlimmer, foxi«) oder zitierten aufmunterndes aus der taz (»In den klassischen Frauenbranchen werden Kolleginnen, die nicht bereit sind, permanent ihr Beziehungs- und Emotionsleben breitzutreten, regelrecht weggebitcht«).
obwohl ich ja durchaus bereit bin, mein emotionsleben breitzutreten. ich latsche meine gefühle derart breit, dass ich, würde ich sie als reifen an einen manta schnallen, der king an jeder beliebigen dorftankstelle wäre. wo ich dann garantiert eine begleitung für so geburtstagsanlässe fände. aber will man das? glaube nicht.

ingeborg am borgo-pass

Freitag, 27. Juni 2008, 11.32 Uhr

eigentlich hatten wir uns ja überlegt, anlässlich des diesjährigen vorlesewettbewerbs zu ingeborgs ehren eine irre ausgefuchste liveblogkommentaraktion zu veranstalten, aber mein denkpartner ist eingeschlafen (immerhin: in der überschrift beziehe ich mich auf einen der texte. ich erwähne das, weil ich den lesern nicht zutraue, es selbst zu bemerken. will nur mal ausprobieren, ob das wirklich so nervt, wie es vorhin behauptet wurde). auch ansonsten ist alles wie immer. ein text wurde für eine novelle gehalten, jemand hat »unerhörte begebenheit« gesagt, der semiotiker murmelt unverständliches, und klaus nüchtern trägt sogar das gleiche hemd wie im letzten jahr um die selbe zeit.
schön, wenn man konstanten im leben hat, auf die man sich verlassen kann. das gibt inneren frieden und weltvertrauen.

update: frau märz hat in sich hineingelacht, weil sie sich nicht traute zu prusten. und jetzt mal ein mittelmäßiges wortspiel: man wünschte sich, die autoren trauten sich zu prousten. obwohl der dritte text ja doch ganz nett war.

kling glöckchen klingelingeling

Samstag, 21. Juni 2008, 15.19 Uhr

irgendwo draußen klingelt ein telefon. ist vermutlich nicht für mich. deswegen gucke ich weiter date my mom auf mtv, eine sendung, in der ich sehr wichtige dinge über das dating an sich und für sich erfahre (»he is heterosexual. that’s a good start!«). und ich lerne auch, was man lieber nicht sagen sollte (»my daughter is a unicorn. she’s very spiritual«, »she has a tendency to slam doors«), denn ER wird noch früh genug bemerken, dass man ein türenknallendes einhorn mit spiritueller ader ist.
und während einer werbeeinblendung wird gerade ein programm angepriesen, das man per sms für einen kleingedruckten preis auf sein handy laden kann, und mit dem sich dann feststellen lässt, ob ER am telefon lügt. apropos: ich bin zu so einer art summer school in südtirol zum thema technikethik eingeladen. wird übrigens von einer telekommunikationsfirma finanziert.

wagner windhund wunderbar

Dienstag, 17. Juni 2008, 12.18 Uhr

anwärter für den satz des tages:
»Wagner war so selbstsicher. Ich habe genug von Schwäche. Sie langweilt mich«, sagt Rufus Wainwright, in einen Sommeranzug von Etro gekleidet und mit vier Windhunden an der Leine
[aus vanity fair]

kosmos kino

Dienstag, 10. Juni 2008, 21.04 Uhr

eigentlich wollte ich heute abend mit einem freund ins kino gehen. dieser erklärte mir allerdings heute morgen am telefon, er könne nicht kommen, da er probleme mit den sternenkräften habe. hätte nie gedacht, dass hildegard von bingen mir mal ein date ausspannen würde.

berufsperspektiven als geisteswissenschaftler

Dienstag, 27. Mai 2008, 20.27 Uhr

einer meiner kino-arbeitskollegen (mag keine menschen, isst ständig äpfel) hat jetzt endlich ein berufliches ziel gefunden (davon weiß ich, weil ich ihm während unserer gemeinsamen schichten gerne mal gespräche aufdränge). er möchte gerne ein ziereremit werden. ich glaube, er hat in dem bereich ganz gute chancen. als filmvorführer ist er an ein leben in dunklen höhlen (bzw. schlecht klimatisierten projektionsräumen) bestens gewöhnt.

max goldt hat öfter mal recht

Samstag, 17. Mai 2008, 21.53 Uhr

zum beispiel gibt es von herrn goldt einen text namens »intaktes abdomen dank coolem verhalten«, in dem er die vorzüge eines intakten abdomens beschreibt. nun befand ich mich gestern und heute auf einem seminar, wo ich nicht nur ermüdende und ungebetene kurzvorträge über die verschiedenen worte für schnee im deutschen (sulz, harsch, firn usw.) und die ambivalente beziehung der deutschen frühromantiker zu goethe (des freiherren europa-aufsatz) hielt, sondern mich auch, das muss ich leider zugeben, in anderer beziehung ein wenig uncool verhielt. denn als wir draußen schullandheimartig an einer sitzgruppe herumlungerten, rauchten und uns über unsinn unterhielten und mit unserem halbwissen herumprollten, spazierte eine bis dahin noch intakte spinne meinen unterarm entlang. da das zum einen etwas kitzelte, zum anderen teile des auditoriums dezent anekelte, wollte ich das tierchen lässig hinfortschnicksen; wenn man das im richtigen winkel tut, segelt das krabbeltier elegant auf den rasen und geleitet sich hinfort. nun ja. ich bin ja zuweilen etwas ungeschickt und, der ein oder andere mag es geahnt haben, erwischte natürlich einen grundfalschen schnickswinkel. also schmierte sich ein schleimiges oberschlundganglion meinen schönen unterarm entlang; und leider kann ich nicht behaupten, dass das auditorium nach dieser aktion meinerseits weniger angeekelt war als zuvor. dazu wage ich eine hypothese: das ekelgefühl der am schicksal der spinne unfreiwillig anteilnehmenden wurde durch deren noch zuckende beinchen nicht gerade vermindert. mir tat die geschichte ja auch ein wenig leid, war aber leider trotzdem nicht in der lage, etwas anderes zu tun als meinen arm panisch wegzustrecken und »aaaaahhh! mach das weg!« zu kreischen. varun erbarmte sich dann schließlich und säuberte mich taktvoll. kann jetzt nicht so genau einschätzen, ob die situation insgesamt ekliger war als die wenige stunden zuvor, als ich von einem vogel angekackt wurde, habe mir aber fest vorgenommen, mich das nächste mal etwas cooler zu verhalten, damit ich nicht wieder von unästhetischem eingeweidematsch befleckt werde.

identität

Freitag, 9. Mai 2008, 1.31 Uhr

dieser eintrag handelt nicht von der identität von identität und nicht-identität, sondern von anderem zeug. trotzdem wollte ich den satz mal erwähnt haben, denn er klingt gut.
obwohl ich in der letzten zeit ziemlich damit beschäftigt war, schnittchen mit seezunge drauf zu verschmähen, mit regisseuren über fußball zu sprechen und vorträge irischer germanistinnen zu besuchen, habe ich es nicht versäumt, mir in linguistik eine großartige anregung für meine weitere lebensplanung auf den eliteschreibblock zu kritzeln. nämlich: sich darauf spezialisieren, seine gefühle zum ausdruck zu bringen. damit könnte ich große erfolge feiern, im rumjammern bin ich ein profi. habe ich eigentlich erwähnt, dass ich vermutlich gehirnhautentzündung kriegen werde? und das ist noch das beste an meinem leben.
außerdem habe ich, ebenfalls in linguistik, erfahren, dass man seine online-identität in die offline-identität integrieren sollte, damit man nicht medial-identitär (haha, das wort habe ich mir ausgedacht) zerfetzt wird. daher sei an dieser stelle all meinen freunden nachträglich ein schöner v-e-day gewünscht. und dann noch einige private mitteilungen.
mami: wir sehen uns samstag um zehn in der stadt.
tobias: ich komme zu deiner feier, kann aber nichts zu essen mitbringen, weil ichs vorher nicht mehr nach hause schaffe.
peter k.: bitte meld dich mal, ich würde gerne demnächst einen kakao mit dir trinken.
adrian: wo gucken wir dieses jahr bachmann-preis? bei dir oder bei mir?
david: die frankenpost hat schon wieder über dich geschrieben. glaube, irgendwer da ist scharf auf dich.

Freitag, 25. April 2008, 13.16 Uhr

erwachte morgens von brechreiz geschüttelt und schlich dann eine weile unmotiviert in der wohnung umher, stets bemüht, meinen magen keinen erschütterungen auszusetzen. hätte mich gerne wieder hingelegt, aber vom liegen wurde mir schlecht. hörte stattdessen den anrufbeantworter ab, auf dem ich folgende nachricht fand:
»ah, anna, hier ist th. du bist nicht da… verdammt! ich hätte wissen müssen, wie das elegische distichon funktioniert! ach, okay, in ordnung, ich dank dir. tschüß!«
zufälligerweise verfüge ich über enormes wissen das elegische distichon betreffend, aber th. verschmähte dieses bei meinem rückruf, denn er hatte gerade damenbesuch. er murmelte anstandshalber etwas über hexameter, pentameter, daktylus und spondeus und legte dann auf, ehe ich noch erwähnen konnte, dass der plural von spondeus spondeen heißt und es die im deutschen eigentlich gar nicht gibt.

mein wort des tages

Mittwoch, 23. April 2008, 15.57 Uhr

Schnecken-Substanzen.

beschäftigungsidee für heute

Samstag, 12. April 2008, 15.53 Uhr

falls euch auch gerade langweilig ist: archiviert doch mal eure bücher und legt eine tolle tabelle darüber an.

dialog unter freunden

Dienstag, 8. April 2008, 23.03 Uhr

ich: »das stück war toll, aber die leute neben mir haben mich komisch angeschaut.«
er: »naja, du hast dir die ganze zeit notizen gemacht, die dachten, du wärst presse.«
ich: »pah. ich habe nur eine beobachtung über das stück festhalten müssen, die ich dir nicht zuflüstern konnte, weil wir nicht nebeneinander saßen.«
er: »oh, dann lass hören.«
ich: »na gut. der pianist am flügel links und der dirigent sehen zusammen aus wie harry potter und ronald weasley.«

fernsehromantik

Donnerstag, 3. April 2008, 23.23 Uhr

die tagung in marbach war übrigens prima. gar nicht prima hingegen ist die darstellung von romantik im deutschen privatfernsehen:

»Du wolltest von mir was romantisches haben, deshalb hab ich mir überlegt, dass wir zusammen mit einer Kerze Pizza essen und dabei schön romantische Musik hören.«

danach aber kam gleich ein romantiktrainer mit stilechter rosa brille vorbei, der zeigte, wie man salami in herzform aussticht.