achte klasse:

1 Aus Vergangenheit und Geschichte
Das Nibelungenlied (z.B. neu erzählt von F. Fühmann)
Parzival (z.B. für die Jugend erzählt von A. Lechner)
Th. Fontane: Grete Minde
C. F. Meyer: Das Amulett
W. Raabe: Die schwarze Galeere
J. Wassermann: Das Gold von Caxamalca
St. Zweig: Der Kampf um den Südpol

2 Unheimliches und Phantastisches
A. v. Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte
M. Ende: Die unendliche Geschichte
N. Gogol: Der Mantel
E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi, Rat Krespel
A. Puschkin: Pique Dame
Th. Storm: Der Schimmelreiter

3 Humor und Satire
C. Goetz: Dr. med. Hiob Prätorius
G. Keller: Die drei gerechten Kammacher, Der Schmied seines Glückes
E. Kishon: Satiren (z.B. aus: Drehn Sie sich um, Frau Lot!)
F. v. Kobell: Die G’schicht vom Brandner-Kaspar
S. Lenz: Das schönste Fest der Welt (auch Geschichten aus: So zärtlich war
Suleyken)
E. Penzoldt: Die Powenzbande
M. Twain: Ein Yankee aus Connecticut an König Artus‹ Hof (Auszüge)

4 Klassische und moderne Jugendbücher
Ch. Dickens: Oliver Twist
J. London: Lockruf des Goldes
H. Melville: Moby Dick
Ch. Sealsfield: Das Kajütenbuch
B. Traven: Der Schatz der Sierra Madre
C. Asscher-Pinkhof: Sternkinder
J. Christopher: Die Wächter
I. Engelhardt: Hexen in der Stadt
W. Fährmann: Es geschah im Nachbarhaus
H. G. Noack: Trip
M. Rhue: Die Welle
W. Sleator: Das Haus der Treppen

5 Kurze dramatische Texte, Dramen und Hörspiele
a) Szenen
B. Brecht: Der kaukasische Kreidekreis
A. Tschechow: Der Heiratsantrag
K. Valentin: Szenen

b) Dramen
C. Goldoni: Der Diener zweier Herren
G. Hauptmann: Der Biberpelz
J. B. Molière: Der eingebildete Kranke
J. Nestroy: Die schlimmen Buben in der Schule
Th. Wilder: Unsere kleine Stadt
C. Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick

c) Hörspiele
B. Brecht: Das Verhör des Lukullus
P. Hacks: Der Müller von Sanssouci
F. v. Hoerschelmann: Das Schiff Esperanza
S. Lenz: Haussuchung
W. Weyrauch: Das grüne Zelt

neunte klasse:

1 Junge Menschen in der Auseinandersetzung und im Konflikt
M. Bieler: Der Hausaufsatz
H. Böll: Im Tal der donnernden Hufe
W. Golding: Herr der Fliegen
H. Hesse: Unterm Rad
R. Hochhuth/L. Ahlsen: Die Berliner Antigone
G. Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe
R. Schneider: Die Reise nach Jaroslaw

2 Krieg, Verfolgung und Unterdrükung
L. Ahlsen: Philemon und Baukis
H. Böll: Wo warst du, Adam?
W. Borchert: Draußen vor der Tür
B. Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches
A. Frank: Das Tagebuch der Anne Frank
F. Fühmann: Das Judenauto
S. Lenz: Ein Kriegsende
E.-M. Remarque: Im Westen nichts Neues
St. Zweig: Schachnovelle

3 Technik, Fortschritt, Utopie und Verantwortung
R. Bradbury: Die Mars-Chroniken
J. Christopher: Die Wächter
F. Dürrenmatt: Das Unternehmen der Wega
A. Huxley: Schöne neue Welt
G. Orwell: 1984
W. Weyrauch: Die japanischen Fischer
Moderne Romane und Erzählungen aus dem Bereich der Science-fiction (z.B. von Asimov, Ballard, Franke, Lem u.a.)

zehnte klasse:

1 Probleme junger Menschen
T. Aitmatow: Dshamilja
V. Braun: Unvollendete Geschichte
L. Frank: Die Räuberbande
Ö. v. Horváth Jugend ohne Gott
R. Kunze: Die wunderbaren Jahre
K. Mann: In meinem Elternhaus
Th. Mann: Mario und der Zauberer
R. Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
U. Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W.
F. Wedekind: Frühlings Erwachen
O. F. Walter: Der Stumme

2 Die Verantwortung des Menschen für seine Welt
R. Bradbury: Fahrenheit 451
F. Dürrenmatt: Die Physiker
M. Frisch: Biedermann und die Brandstifter
A. Huxley: Schöne neue Welt
H. Kipphardt: In der Sache J. Robert Oppenheimer
M. Maron: Flugasche
G. García Márquez: Chronik eines angekündigten Todes
G. Orwell: 1984
L. Perutz: St. Petri-Schnee
Ch. Wolf: Störfall

3 Der Mensch in der Bewährung
A. Andersch: Sansibar oder der letzte Grund
J. Becker: Jakob der Lügner
B. Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder
F. Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame
M. Frisch: Andorra
H. v. Kleist: Michael Kohlhaas
S. Lenz: Zeit der Schuldigen/Zeit der Schuldlosen
J. Roth: Hiob
F. Werfel: Jacobowsky und der Oberst
S. Zweig: Ungeduld des Herzens

4 Zeit und Gesellschaft
Th. Bernhard: Der Keller
H. Böll: Billard um halb zehn
L. Christ: Die Rumplhanni
O. M. Graf: Anton Sittinger
G. Grass: örtlich betäubt
P. Handke: Wunschloses Unglück
Ö. v. Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald
W. Kempowski: Tadellöser & Wolff
E. Jandl/F. Mayröcker: Fünf Mann Menschen
U. Johnson: Ingrid Babendererde
S. Lenz: Deutschstunde
E. Loest: Durch die Erde ein Riß (Auszüge)
A. Miller: Hexenjagd
A. Seghers: Der Ausflug der toten Mädchen
A. Solschenizyn: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
L. Thoma: Magdalena

elfte klasse:

Literatur der Aufklärung und des Sturm und Drang
Drama
- von Lessing (Emilia Galotti, Minna von Barnhelm, Nathan der Weise)
- von Goethe (Götz von Berlichingen), Schiller (Die Räuber, Kabale und Liebe, Die Verschwörung des Fiesko zu Genua), Lenz (Die Soldaten, Der Hofmeister)

Prosa
- Goethe, Die Leiden des jungen Werthers
- Fabel der Aufklärung, didaktische Parabel
- (Vergleichstexte z.B. von Brecht, Kafka, Musil)

Lyrik
- des jungen Goethe u.a.

Literatur des 20. Jahrhunderts
Roman oder längere Erzählung
- von H. Mann, Th. Mann, Hesse, St. Zweig, J. Roth, Döblin u.a.; auch Werke der Literatur nach 1945

Lyrik der Moderne
- von Hofmannsthal, Rilke, Heym, Trakl, Benn, Loerke, Brecht, Celan, Eich, Kaschnitz, Huchel, Bachmann, Enzensberger und weiteren Autoren der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur

zwölfte klasse (leistungskurs):

Literatur der Klassik und der Romantik
Drama
- der Antike von Euripides oder Sophokles (z.B. Iphigenie, Elektra, Antigone, Ödipus)
- von Shakespeare (z.B. Romeo und Julia, Hamlet, König Lear)
- von Goethe und Schiller

Erzählung, Novelle, Roman bzw. Romanauszüge
- von Goethe, Hölderlin, Kleist, Jean Paul
- von Novalis, Brentano, Tieck, Eichendorff, E.T.A. Hoffmann u.a.

Lyrik
- von Goethe, Schiller, Hölderlin und den Hauptvertretern der Romantik

Realistische Strömungen in der Literatur des 19. Jahrhunderts
Drama
- von Büchner, Grillparzer, Hebbel, Hauptmann
- (Vergleichstexte z.B. von Kaiser, Sternheim, Brecht, Ionesco oder Beckett, Dürrenmatt, Weiss)

Erzählung, Novelle, Roman bzw. Romanauszüge
- von Stifter, Keller, Storm, C. F. Meyer, Raabe, Fontane, Holz/Schlaf, Hauptmann u.a.
- (Vergleichstexte z.B. von Hofmannsthal, Schnitzler, Hesse, Th. Mann, Döblin, Feuchtwanger, Horváth, Kafka sowie von Autoren der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur)

Lyrik
- von Mörike, Rückert, Heine, A. v. Droste-Hülshoff, C. F. Meyer u.a.
Werke der europäischen Literatur
- z.B. von Balzac, Flaubert, Zola, Dostojewskij, Dikens, Ibsen, Strindberg

dreizehnte klasse (leistungskurs):

Literatur des 20. Jahrhunderts
Drama
- von Barlach, G. Kaiser, K. Kraus, Sternheim, Toller u.a.
- von Brecht, Fleißer, Horváth, Toller, Zuckmayer u.a.
- von Anouilh, Sartre, T. S. Eliot, Th. Wilder, Ionesco oder Beckett
- von Dürrenmatt, Eich, Frisch, Handke, Walser, Weiss und weiteren Autoren der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur

Roman und Erzählung
- von Hofmannsthal, Schnitzler, Musil u.a.
- von Hesse, H. Mann, Th. Mann, J. Roth, A. Zweig, St. Zweig u.a.
- von Döblin, Frank, Heym, Werfel, R. Walser, von Kafka u.a.
- von Joyce, Proust u.a.; von Hesse, Th. Mann, Rilke, von Döblin, Musil, J. Roth, A. Zweig u.a.
- von Fallada, Feuchtwanger, Horváth, Kästner u.a.
- von Andres, Bergengruen, Carossa, Schneider, Wiechert u.a.
- von O. M. Graf, K. Mann, Seghers, A. Zweig, von H. Mann, Th. Mann, Broch, Doderer u.a.
- von Hemingway, Camus u.a.; von Borchert, Böll, Koeppen, S. Lenz, A. Schmidt, Schnurre u.a.
- von St. Heym, H. Müller, Ch. Wolf, von J. Becker, Braun, Hein, Loest, Plenzdorf u.a.
- von Andersch, Böll, Frisch, Grass, Handke, Hildesheimer, Johnson, S. Lenz, M. Walser und weiteren Autoren der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur

Lyrik
- von Hofmannsthal, George, Rilke u.a.
- von Heym, Trakl, Benn u.a.; auch Gedichte des DADA
- von Brecht, Kästner, Mehring, Tucholsky u.a.
- von Benn, Langgässer, Lehmann, Loerke, I. Seidel, Weinheber u.a.
- von Bachmann, Celan, Eich, Enzensberger, Huchel, Krolow, Sachs und weiteren Autoren der Nachkriegs- und
Gegenwartsliteratur.

Grundlagentexte zur Literaturtheorie und Sprache

Aufklärung und Sturm und Drang:
Aristoteles: Poetik (Tragödie)
Johann Christoph Gottsched: Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen
Gotthold Ephraim Lessing: Briefe, die neueste Literatur betreffend (17. Brief)
Gotthold Ephraim Lessing: Hamburgische Dramaturgie (75. Stück u.a.)
Johann Georg Sulzer: Vorrede zur ersten Ausgabe der Allgemeinen Theorie der Schönen Künste
Johann Wolfgang Goethe: Zum Schäkespears Tag, 14.10.1771
Friedrich Schiller: Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet

Klassik:
Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität; 27. und 28. Brief
Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen
Friedrich Schiller: Ankündigung der Monatsschrift »Die Horen«
Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise (Auszüge)
Heinrich von Kleist: Über das Marionettentheater

Romantik:
Wilhelm Heinrich Wackenroder: Von zwei wunderbaren Sprachen und deren geheimnisvoller Kraft (aus: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders)
Friedrich Schlegel: Charakteristiken und Kritiken
Friedrich Schlegel: Athenäum-Fragment 116
Novalis: Fragmente aus Blütenstaub; Athenäum 1798
Heinrich Heine: Die romantische Schule

Realistische Strömungen im 19. Jahrhundert:
Georg Büchner: Briefe; »Kunstgespräch« aus »Lenz«
Friedrich Hebbel: Mein Wort über das Drama
Adalbert Stifter: Vorrede zu »Bunte Steine«
Theodor Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848
Arno Holz: Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze
Jahrhundertwende und Expressionismus:
Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
Hermann Bahr: Die Überwindung des Naturalismus
Hugo von Hofmannsthal: Die Briefe des Zurückgekehrten, Der Vierte (26. Mai 1901)
Kasimir Edschmid: Über den Expressionismus in der Literatur und die neue Dichtung (z.B. über den expressionistischen
Dichter)

Weimarer Republik:
Bertolt Brecht: Anmerkungen zur Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny«
Walter Benjamin: Was ist das Epische Theater?
Oskar Loerke: Das alte Wagnis des Gedichts
Joseph Roth: Schluß mit der »Neuen Sachlichkeit«
Heinrich Mann: Dichtkunst und Politik

Zwischen 1933 und 1945:
Thomas Mann: Brief an den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn (Neujahr 1937)
Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern
Bertolt Brecht: Arbeitsjournal (Auszüge)
Thomas Mann, Frank Thieß, Walter von Molo: Ein Streitgespräch über die äußere und innere Emigration

Nachkriegszeit und Gegenwart:
Jean Paul Sartre: Was ist Literatur?
Heinrich Böll: Bekenntnis zur Trümmerliteratur
Friedrich Dürrenmatt: Theaterprobleme
Friedrich Dürrenmatt: Das Theater als moralische Anstalt heute
Max Frisch: Büchner-Preis-Rede 1958
Ingeborg Bachmann: Literatur als Utopie (5. Frankfurter Poetik-Vorlesung)
Peter Handke: Ist der Begriff »Engagement« auf die Literatur anwendbar?
Franz Fühmann: Der Sturz des Engels
Christa Wolf: Projektionsraum Romantik. Ein Gespräch
Theodor W. Adorno: Zur Dialektik des Engagements
Gottfried Benn: Probleme der Lyrik. Vortrag in der Universität Marburg
Hilde Domin: Wozu Lyrik heute?
Reiner Kunze: Konsequenzen des Ästhetischen. Münchner Poetik-Vorlesungen

Sprache:
Platon: Kratylos
Martin Luther: Sendbrief vom Dolmetschen
Johann Gottfried Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache
Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
Wilhelm von Humboldt: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluß auf die geistige
Entwicklung des Menschengeschlechts (in: Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java)
Hugo von Hofmannsthal: Ein Brief (»Chandos-Brief«)
Harald Weinrich: Können Wörter lügen? (aus: Linguistik der Lüge)
Heinrich Böll: Die Sprache als Hort der Freiheit
Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen
Benjamin Lee Whorf: Sprache, Denken, Wirklichkeit
Dieter E. Zimmer: So kommt der Mensch zur Sprache

Grundlagentexte zur Philosophie
Platon: Phaidon
Aristoteles: Nikomachische Ethik
Seneca: Briefe an Lucilius
Marc Aurel: Selbstbetrachtungen
René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie
Baruch Spinoza: Über die Verbesserung des Verstandes
Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie
Jean Jacques Rousseau: Abhandlung über Ursprung und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen
Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher
Imanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft
Imanuel Kant: Kritik der Urteilskraft
Johann Gottfried Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Ideen zu einer Philosophie der Natur
Johann Gottlieb Fichte: Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters
Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes
Leopold von Ranke: Über die Epochen der neueren Geschichte
Ludwig Büchner: Kraft und Stoff
Jakob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen
Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft
Wilhelm Dilthey: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften
Karl Mannheim: Ideologie und Utopie
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur
José Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen
Gottfried Benn: Kunst und Macht
Herbert Marcuse: Über den affirmativen Charakter der Kultur
José Ortega y Gasset: Betrachtungen über die Technik
Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
Karl Jaspers: Von der Wahrheit
Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung
Jean Paul Sartre: Bewußtsein und Selbsterkenntnis
Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung
Carl Friedrich von Weizsäcker: Zum Weltbild der Physik
H.-G. Gadamer: Vom Zirkel des Verstehens
Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit
Helmut Schelsky: Auf der Suche nach der Wirklichkeit
Helmut Plessner: Conditio humana
Werner Heisenberg: Über die Verantwortung des Forschers
Erich Fromm: Haben oder Sein
Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung
Karl R. Popper/John C. Eccles: Das Ich und sein Gehirn
Hermann Lübbe: Der Lebenssinn der Industriegesellschaft. Über die moralische Verfassung der wissenschaftlichtechnischen
Zivilisation

in meiner schulzeit habe ich gelernt, dass es männliche bzw. stumpfe bzw. starke kadenzen und weibliche bzw. klingende bzw. schwache kadenzen gibt. inzwischen bin ich fertig ausgebildete germanistin, und die kadenzen werden immer noch so bezeichnet. das ist alles so krank, unheilbar krank.

zucker am morgen

nicht nur die rübenzuckerfabrikation ist faszinierend, auch die historischen alternativen zur runkelrübe sind ungemein spannend. eine davon ist natürlich der ahorn. man staune: »die procedur beim einkochen des saftes ist so sehr einfach, dass jeder landsmann sie unternehmen kann.« da aber das anlegen ausreichend großer, geeigneter ahornplantagen mindestens 25 jahre dauern würde, müssen andere pflanzen einer näheren betrachtung unterzogen werden. dies ist erstens der türkische weizen. aus ihm lässt sich einigermaßen gut süßer sirup kochen, und auch trockenen zucker kann man daraus herstellen. ist aber aufwendig und teuer, ein pfund rohzucker aus weizen kostet einen thaler. auch die zuckerherstellung aus bärenklau, weinmost, mangold und birkensaft ist wenig effizient – zu teuer oder mangelnde qualität. mit gelben rüben geht es gar nicht, der zucker aus roten rüben schmeckt nicht gut.
daher nun doch zurück zur runkelrübe. aus 125 pfund rüben (112 stück) erhält man 24 quart violetten, sehr süßen saft, der um ein drittel reduziert, gefiltert und mit 24 quart kalkwasser aufgekocht wird. der nun entstandene weingelbe saft wird nochmals gefiltert und nach dem abkühlen in mit glasstäbchen ausgelegten schalen verdunstet. nach nur acht wochen kristalliert er und legt sich an den stäbchen ab. voila, wir haben braunen zucker produziert, und das im jahr 1799.

auf den fall, daß ich nicht heyrathe

novalis, vorzügliches vorbild für alle lebenslagen, hat sich ja tatsächlich eine liste mit büchern angelegt, die er lesen wollte, auf den fall, daß er nicht heyrathe.
1. scriptores rerum germanicum.
2. sächsische geschichte.
3. gibbon
4. thucydidex.
5. livius.
6. tacitus. sallust.
7. schmidts geschichte der deutschen.
außerdem, falls es schlimmer wird, reisen nach leipzig, bamberg und jena. beruhigend, dass auch ich in diesen städten bei bekannten unterkommen könnte.

von deutscher universität

über den online-katalog der DNB bin ich heute – eigentlich hatte ich nach etwas ganz anderem gesucht – auf ein print-on-demand gestoßen. es handelt sich dabei um eine magisterarbeit, die vom autor auf einer dieser allseits bekannten plattformen für studienarbeiten eingestellt wurde. sie wurde an einer deutschen universität eingereicht und mit der note 2,0 bewertet (das sind die angaben, die auf dem deckblatt stehen). auf der plattform kann man ungefähr das erste fünftel der arbeit lesen, ohne dafür zu bezahlen, via google books noch einiges mehr. weil das thema der arbeit ganz interessant klang, habe ich angefangen, darin zu schmökern.

drei stunden später sitze ich immer noch hier und fixiere in schockstarre das browserfenster. die arbeit ist, um es mal vorsichtig auszudrücken, vollkommen unterirdisch.
das thema an sich ist eigentlich gar nicht mal schlecht und kann durchaus so vergeben werden. daraus geworden ist aber eine katastrophe. da wird zum beispiel eine bestimmte epoche skizziert; und zwar wird lehrbuchwissen erzählt, ohne eine einzige fußnote zu setzen. etwas später werden einzelne vertreter der epoche vorgestellt. zu den lebensläufen: keine fußnote. besprochene primärtexte: keine fußnote, keine literaturangabe im fließtext, nichts. vereinzelt direkte zitate aus den primärtexten: keine fußnote. die interpretation der primärtexte erfolgt in eigenregie, sekundärliteratur wird ignoriert. am ende der arbeit findet sich ein kurzes literaturverzeichnis, in dem handbuchtitel auftauchen, die offensichtlich benutzt, aber nie erkennbar zitiert wurden. die sprache ist unwissenschaftlich, die kommasetzung ist mangelhaft.

für mich ergeben sich hier zwei fragen.
erstens: wie ist es möglich, dass jemand diese arbeit als magisterarbeit einreicht und auch noch im internet veröffentlicht, sich also vermutlich nicht im klaren darüber ist, wie problematisch sie ist?
zweitens: wie ist es möglich, dass jemand diese arbeit als magisterarbeit akzeptiert und auch noch mit der note ›gut‹ bewertet, sich also offensichtlich ebenfalls nicht im klaren darüber ist, wie problematisch sie ist?

üblicherweise sind während des studiums bereits in den ersten semestern schriftliche hausarbeiten erforderlich, um einen seminarschein zu bekommen. in den ersten semestern sind die themen dabei noch nicht so anspruchsvoll, weil es in erster linie darum geht, bestimmte arbeitstechniken einzuüben. wenn zum beispiel das thema »das bergwerk in den erzählungen der deutschen romantik« vergeben wird, zu dem es sekundärliteratur in hülle und fülle gibt, dann geschieht das, damit der wissenschaftliche nachwuchs lernt, eben diese sekundärliteratur zu finden und damit zu arbeiten.
bereits nach der ersten hausarbeit wird also klar, ob jemand eine bibliothek benutzen, fußnoten setzen und ein literaturverzeichnis schreiben kann oder nicht. wenn die studierenden das können, ist eigentlich alles tutti. wenn sie es nicht können, dann hat man ihnen – UND DAS JETZT BITTE MITSCHREIBEN UND AUSWENDIG LERNEN – die arbeit mit der bitte um überarbeitung zurückzugeben, damit sie lernen, wie es richtig geht. weil es gerade im grundstudium unerlässlich ist, dass lehrperson und student_in die eingereichte arbeit gemeinsam durchsprechen, sollten scheine nicht kommentarlos im sekretariat hinterlegt, sondern persönlich in der sprechstunde ausgegeben werden. studierende mit schlechten leistungen brauchen hilfe, weil sie oft gar nicht wissen, was sie falsch gemacht haben. ich kenne tatsächlich jemanden, der noch im hauptstudium nicht wusste, dass ein literaturverzeichnis alphabetisch geordnet wird, aber überaus davon profitiert hätte, wenn ihm mal jemand gesagt hätte, dass das so, wie er es macht, einfach nicht geht. natürlich sind studierende erwachsene menschen, die etwas eigeninitiative zeigen sollten, aber wer nicht weiß, wie er sich verbessern kann, weil die benotung nicht transparent war, der wird sich oftmals nicht verbessern. so kommt es zur GAS, zur größten anzunehmenden schrottarbeit. die hemmschwelle, nach einer schlechten note in die sprechstunde zu gehen und nach dem grund dafür zu fragen, ist nach meinen erfahrungen ziemlich hoch. übrigens profitieren auch gute studierende von solchen besprechungen.
ich kenne beide seiten: während meines in den sand gesetzten studiums der politikwissenschaft wäre es ganz phantastisch gewesen, wenn ich mal eine anleitung zum wissenschaftlichen arbeiten bekommen hätte. leider habe ich mich damals nicht getraut, zu jemandem in die sprechstunde zu gehen und danach zu fragen, wie man eigentlich schreibt. und höhere semester, die mir hätten helfen können, kannte ich nicht. später dann, als ich mich neu orientiert hatte und erfolgreich war, war jedes lob und jede einladung zu sommerschulen eine motivation, noch besser zu werden. und bisher habe ich niemanden kennengelernt, der sich darüber beschwert hätte, für ein stipendium vorgeschlagen zu werden.
ein weiteres problem neben dem mangelnden feedback ist die derzeitige praxis der notengebung. natürlich hätte die magisterarbeit, die ich vorhin vorgestellt habe, nie so eingereicht werden dürfen. noch schlimmer ist aber, dass sich ein berufsversager findet, der auf eine arbeit, die jeden grundsatz des wissenschaftlichen arbeitens verletzt, eine 2 gibt. die note ›gut‹ wird nämlich vergeben für – zitat aus so gut wie allen magisterprüfungsordnungen deutschlands – »eine leistung, die erheblich über den durchschnittlichen anforderungen liegt.« zumindest ist das in der theorie so. tatsächlich aber verhält es sich so: während man sich zu schulzeiten noch über eine 2 gefreut hat, ist diese note im studium an vielen fakultäten schon eher der mittlere bis untere durchschnitt (hier eine statistik dazu: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/7769-07.pdf) – zumindest war das in den magisterstudiengängen so.*
trotz dieser noteninflation habe ich noch nie eine so offensichtliche fehlbeurteilung gesehen. so leid es mir tut, die arbeit hätte allein aufgrund des fehlens jeglicher literaturverweise nicht angenommen werden dürfen. wenn ich daran denke, dass dafür vermutlich ein magistergrad verliehen worden ist, kann ich die leute verstehen, die pampig ihre bundesverdienstkreuze zurückgeschickt haben, nachdem sie, vorsicht metapher, angefangen haben, die bei supermarkteröffnungen als werbegeschenk zu verteilen.
vermutlich wäre es dem autor durchaus zuzutrauen, mit etwas übung eine vernünftige magisterarbeit zustandezubringen, die die note ›gut‹ verdient, aber dazu bräuchte es lehrpersonal, das seine verantwortung ernst nimmt und darauf hinweist, dass das, was geschrieben wird, auch belegt werden muss.

* mit der neustrukturierung des studiums, also der einführung von B.A. und M.A., scheint sich das zu ändern. durch meine stelle bekomme ich einige notenübersichten zu sehen, der durchschnitt liegt inzwischen meistens eher bei 2,x, wobei ich diese entwicklung hauptsächlich darauf zurückführen würde, dass in den bachelorstudiengängen wesentlich mehr klausuren und stattdessen weniger hausarbeiten geschrieben werden als früher. dass inzwischen eine realistischere leistungsbewertung stattfindet, ist eine gute entwicklung – dass schriftliche hausarbeiten im grundstudium durch klausuren zumindest teilweise umgangen werden könnten, ist ärgerlich. die fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, entwickelt sich nicht durch auswendiglernen, sondern durch routine und behutsam geführter anleitung zur selbständigen problemlösung.

michel-nummer 1178

als ich vor zwei tagen aus unruhigen träumen erwachte, fand ich mich in meinem bett zu einem an briefmarken interessierten menschen verwandelt. meine rückseite hat sogar schon ein wenig klebstoff, den man in diesem fall gummierung nennt.

auch hier ein rückblick auf 2011

in zahlen
auslandsreisen: 2
vorübergehend adoptierte straßenhunde: 3
neue fahrräder: 2
leute kennengelernt, die mich nicht angerufen haben: 2
leute kennengelernt, die ich nicht angerufen habe: 1
einträge im literaturverzeichnis der magisterarbeit: 107

in worten
das beste lebensmittel: granatapfelsaft
am häufigsten gegessen: hüttenkäse
anschaffung, mit der niemand gerechnet hätte: gym-mitgliedschaft
neu entdecktes talent: knutschflecke überschminken
dieses jahr zum ersten mal gemacht: ein clubspiel besucht

top 5 der gelesenen bücher
danilo kiŝ: ein grabmal für boris dawidowitsch
roberto bolaño: ein stern in der ferne
georges perec: träume von räumen
christian kracht: ich werde hier sein im sonnenschein und im schatten
gore vidal: messias

logogriph vom 26.10.1811

Ihr liebt im Herbst uns Freudenborne sehr:
Ein Zeichen weg, so liebt ihr uns noch mehr.

Euch bin ich werth
Und hochverehrt. (1)
Lest mich verkehrt,
So muss ich hau´n
Und Häuser baun;
Ja, Mensch und Thier
Erliegen mir. (2)
Lest anders mich,
Wie bin dann ich
So fürchterlich
Bey Jagd und Krieg,
Und schaff´ euch Sieg,
Ach! oder droht
Euch Noth und Tod. (3)
Doch lebet ihr
Gern lang in mir. (4)

–aus dem morgenblatt für gebildete stände–

was man über ursachen wissen kann

vor wenigen tagen habe ich einige langärmlige kleidungsstücke in herbstfarben erworben. nun gehe ich sozusagen in laub gekleidet. am beginn dieser handlungsekette, die jetzt aber nicht en detail nachvollzogen werden soll, stand der vom deutschen wetterdienst angekündigte wetterumschwung. den meteorologen sei an dieser stelle für die anregung zur erweiterung meiner garderobe herzlich gedankt. weil ich also in einen kaufrausch verfallen war, besuchte ich außerdem meine drei liebsten buchsecondhandläden, um die neueingänge zu überprüfen. es ist anzunehmen, dass jemand in erlangen sich eine schöne voltaire-werkausgabe zugelegt hat, denn ich fand die insel-ausgabe von candide im regal. zack! gekauft und sogleich in der s-bahn gelesen. das buch ist, soweit ich das beurteilen kann, ziemlich gut, allerdings kam ich vorerst nur bis seite 11 (= textseite 3). auf der ersten seite passiert eigentlich noch gar nichts. in recht konventionellem und märchenonkelhaften ton wird dem leser dort der titelgebende protagonist vorgestellt: »er war arglosen gemütes und hatte gesunden menschenverstand, und aus diesem grunde wurde er wohl auch candide genannt.« das ist nicht gerade neu, aber trotzdem ziemlich gut und vor allem traditionsreich. man erinnert sich natürlich sofort an gottfried: »nu heizet triste triure, und von der âventiure sô wart daz kint tristan genant, tristan getoufet al zehant.« super gemacht, voltaire! eine der besten mittelhochdeutschen dichtungen einfach mal en passant anzitieren, gefällt mir! dies waren meine gedanken von erlangen bahnhof bis eltersdorf. irgendwo zwischen eltersdorf und vach blätterte ich um auf textseite 2, wo meine durch den tristanstoff sehr hochgeschraubten erwartungen vollkommen erfüllt wurden. zunächst wird candides familie vorgestellt. das ist nicht so interessant, aber immerhin lustig, und bereitet vor allem überhaupt nicht auf den unglaublich starken satz vor, der sich von textseite 2 auf textseite 3 hinüberschlängelt. der wichtigste teil dieses satzes ist dieser: »er wies in vortrefflicher weise nach, dass es keine wirkung ohne ursache gäbe […].« tief erschüttert dachte ich bis nürnberg hauptbahnhof über meinen agnostizismus nach. es ist nämlich so, dass es tatsächlich keine wirkung ohne ursache geben kann, weil es (so wie geschichte das ist, was geschehen ist) der wirkung an sich bereits inhärent ist, dass sie, aus welchen gründen jetzt auch immer, bewirkt wurde. allerdings ist nihil fit sine cause nur solange richtig, wie es, weil sich die ursachen üblicher- und logischerweise vor den wirkungen ereignen, so etwas wie zeit überhaupt gibt. falls nun der urknall tatsächlich der beginn von zeit und raum ist, wird man die schöpfungsfrage überhaupt nicht lösen können. und tatsächlich geht es im ersten kapitel von candide um den satz vom zureichenden grund. nürnberg hauptbahnhof. fahrgäste bitte alle aussteigen.

thomas hobbes erklärt rtl2

»Sudden glory is the passion which maketh those grimaces called laughter; and is caused either by some sudden act of their own that pleaseth them; or by the apprehension of some deformed thing in another, by comparison whereof they suddenly applaud themselves. And it is incident most to them that are conscious of the fewest abilities in themselves; who are forced to keep themselves in their own favour by observing the imperfections of other men. And therefore much laughter at the defects of others is a sign of pusillanimity. For of great minds one of the proper works is to help and free others from scorn, and compare themselves only with the most able.«
– aus dem leviathan –

wie man einen leser neugierig macht

A n z e i g e n
Es ist den 6ten Mai ein Schreiben von einem Ungenannten mit der Chorener Post an mich eingegangen. Bis jetzo ist meine Mühe, den Absender dieses ohne Namen und Ort an mich gerichteten Schreibens zu erfahren vergeblich gewesen. Ich wähle dahero die öffentlichen Blätter, um dem Absender des an mich gerichteten Schreibens, welcher sich im Dunkeln zu verbergen sucht, hiermit zu antworten, und ihn aufzufordern, sich bei mir in Rakschütz bei Neumarkt in Niederschlesien schriftlich mit Bekanntmachung seines Namens und Wohnortes, oder persönlich zu melden, wo ich ihm das Gegentheil seiner unergründlichen Vermuthungen beweisen werde. Sollte er das Licht scheuen, so erkläre ich hiermit den Inhalt seines Schreibens für das was er ist, für Erdichtung. Rakschütz den 10ten Junii 1802.
von Debschitz
– aus den berlinischen nachrichten von staats- und gelehrten sachen, no. 78. donnerstag, den 1sten julii 1802 –

wie man über andere zeitungen schreibt

Paris, vom 22. Junius

Zuförderst wollen wir bemerken, daß in den neuesten Pariser Zeitungen bis zu obenstehendem Datum, namentlich in dem Amtsblatt der Regierung, dem Moniteur, der in Nantes erschienenen Unterhandlungen des General Leclerc mit Touissant noch mit keinem Worte erwähnt wird, wodurch wir jedoch die Zuverlässigkeit oder auch nur die Wahrscheinlichkeit desselben keineswegs verdächtig machen wollen. Aber auch außerdem enthalten jene neuesten Berichte aus Paris durchaus nichts für das Ausland Merkwürdiges.

– aus den berlinischen nachrichten von staats- und gelehrten sachen, no. 78. donnerstag, den 1sten julii 1802 –

bekenntnisse

verstörend, wie sehr dieser augustinus mich ansaugt. die lektüre der confessiones gleicht einer gehirnwäsche. noch bin ich agnostisch, aber wenn ich so weiterlese, wird in einiger zeit eine epiphanie eintreten. das liegt am satzbau. augustinus ist immer im flow, aber der flow ist an vielen stellen rastlos. er wirft mich beim lesen hin und her, weil widersprüchliche bilder aufgerufen, oft sogar genau benannt werden (süßigkeit wandelt sich in bitterkeit); ruhe tritt nur dann ein, wenn es um gott geht (sein gesetz ist die wahrheit). das ist gut ausgearbeitet, aber logisch: der typ war ja rhetoriker und kann das. er hat keine freundlichen augen, die mich erkennen, aber er fasst meine verlangende hand (zitat intended, vgl. satz 1).

»Das liebt man an den Freunden, und so sehr liebt man es, daß unser Gewissen sich Vorwürfe macht, wenn es den Wiederliebenden nicht liebt und den Liebenden nicht wiederliebt, ohne von ihm irgend etwas mehr zu verlangen als nur Zeichen seines Wohlwollens. Hierauf gründet sich jene Trauer, wenn ein Freund stirbt, und die finstere Nacht der Schmerzen und das blutende Herz, wenn die Süßigkeit sich in Bitterkeit gewandelt hat und der Tod der Lebenden durch den Verlust des Lebens der Sterbenden. Selig, wer dich liebt und den Freund in dir und den Freund um derentwillen. Der allein verliert keinen teuern Freund, dem sie alle teuer sind in dem, der nie verlorengeht. Das aber ist unser Gott, der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und sie erfüllt, weil er ihnen das Dasein gab, indem er sie erfüllte Dich kann nur der verlieren, der dich verläßt, und wer dich verläßt, wohin geht er, wohin flieht er denn als nur von dir, dem Liebevollen, zu dir, dem Zornigen? Wo stößt der Fliehende nicht auf dein Gesetz in seiner Strafe? Und dein Gesetz ist die Wahrheit und die Wahrheit bist du!«

– augustinus: confessiones. buch 4, kapitel 9 –

wie man sich richtig unterhält

»Darauf gingen wir in die Fakultät für Sprachen, wo drei Professoren darüber berieten, die Sprache ihres eigenen Landes zu verbessern. Das erste Projekt bestand darin, die Rede dadurch abzukürzen, daß man vielsilbige Wörter zu einsilbigen beschneidet und Verben und Partizipien ausläßt, da alle vorstellbaren Dinge in Wirklichkeit ja doch nur Hauptwörter seien. Das zweite Projekt war ein Plan zur völligen Abschaffung aller Wörter überhaupt, und man machte geltend, daß das außerordentlich gesundheitsfördernd und zeitsparend wäre. Denn es ist klar, daß jedes Wort, das wir sprechen, in gewissem Maße eine Verkleinerung unserer Lungen durch Abnutzung bedeutet und folglich zur Verkürzung unseres Lebens beiträgt.«
– aus jonathan swift: gullivers reisen –

was man über kisten wissen muss

Am Hafen von Genua sind Facchini thätig, die kleine Papp-Kisten in ein Boot verladen. Das Verladungs-System ist ebenso prompt wie einfach. Man wirft die Kisten die kleine Steintreppe herunter, an deren Fuß das Boot hält. Können sie aber dabei nicht ins Wasser fallen? Gewiß, das können sie, und das thun sie auch öfter. Dann werden sie mit großem Lärm herausgefischt, und die Heiterkeit unter den wackeren Hafenarbeitern erreicht ihren Höhepunkt. Der wahre Humor von der Sache aber ist ihnen nicht zugänglich. Dieser wahre Humor besteht nämlich darin, daß auf jede dieser Kisten, die die Steintreppe herunterkugeln, in deutscher Sprache das Wort »Z e r b r e c h l i c h!« gemalt ist.
– aus paul goldmann: ein sommer in china –

cavazzoni: mitternachtsabitur

»Das kennt man doch aus Träumen: Plötzlich soll man das Abitur nachholen.« – so beginnt der text, der mir den kauf von ermanno cavazzonis mitternachtsabitur schmackhaft machen soll.
aber ja doch, das nehme ich mit, denn tatsächlich leide auch ich unter dieser krankheit: schon lange bin ich für germanistik eingeschrieben und cresciere, floriere, brilliere. aber vorsicht, die ständeklausel! auf dem höhepunkt meines schaffens angelangt, stellt sich heraus, dass ich in wirklichkeit gar kein abitur habe. in biologie durchgefallen. der gesamte biologieunterricht ab der achten klasse inklusive der abiturprüfung muss jetzt wiederholt werden, und die tragödie nimmt ihren lauf.
seit letzter nacht aber bin ich rekonvaleszent. das erste mal überhaupt in diesen träumen musste ich nicht wieder in die schule gehen, sondern nur die abiturprüfungen wiederholen. ich interpretiere also noch einmal nelly sachs, diskutiere noch einmal das für und wider der fraktionsdisziplin, übersetze einen englischen text über einwanderungspolitik und stöpsle in der mündlichen prüfung irgendwas über das ökosystem wasser zusammen. jemand, den ich gut finde, holt mich vom prüfungsmarathon ab, und es stellt sich heraus, dass ich alles mit 1,0 bestanden habe. ja weißt du, sage ich zur netten begleitung, das ist doch kein wunder. ich bin jetzt 28 und fühle mich langsam zu alt für diesen quatsch. natürlich kann ich das alles. noch nie habe ich mich so erwachsen gefühlt. jede zelle meines körpers ist graduiert.
und letztendlich habe ich cavazzoni zitiert, in diesem befreienden traum: »Das ist doch Quatsch«, sage ich, »hören Sie auf!«